Für was benötige ich Fahrwassertonnen und Kardinaltonnen?
Fahrwassertonnen und Kardinaltonnen erfüllen unterschiedliche Aufgaben: Fahrwassertonnen markieren den Verlauf und die Seiten eines Fahrwassers, während Kardinaltonnen auf Gefahrenstellen wie Untiefen oder Wracks hinweisen. Wer Farben, Formen, Toppzeichen und die Fahrtrichtung richtig deutet, kann auf See und auf Binnengewässern sicherer navigieren.
Für die praktische Orientierung reicht es nicht, eine Tonne nur an ihrer Farbe zu erkennen. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Farbe, Form, Toppzeichen, Nummerierung und – bei beleuchteten Zeichen – der Lichtkennung. Außerdem muss klar sein, ob es sich um eine seitliche Fahrwasserbezeichnung oder um ein Kardinalzeichen handelt.
Was sind Fahrwassertonnen?
Fahrwassertonnen gehören zum Lateralsystem. Dieses System begrenzt und kennzeichnet Schifffahrtswege. Die Tonnen zeigen also, wo ein Fahrwasser verläuft und an welchen Seiten es passiert werden soll. Seezeichen werden nicht nur auf See eingesetzt, sondern kennzeichnen auch Fahrwasser in Flüssen und Binnenrevieren.
Im Bereich des Lateralsystems A, zu dem Europa gehört, gilt für die Betrachtung grundsätzlich die Richtung „von See kommend“. In dieser Richtung liegen die grünen Tonnen an Steuerbord und die roten Tonnen an Backbord. Auf Binnenwasserstraßen wird diese Richtung ebenfalls zugrunde gelegt, wenn ein Fluss gedanklich von seiner Quelle zum Meer betrachtet wird. Wer sich auf dem Fluss entgegen der Strömung bewegt, ordnet die grünen Tonnen der Steuerbordseite zu. Diese Richtung wird auch als Bergfahrt bezeichnet.
Grüne und rote Fahrwassertonnen richtig zuordnen
Im Lateralsystem A gelten folgende Merkmale:
- Steuerbordtonne: grün, mit einem spitzen Toppzeichen in Form eines Kegels und ungerader Nummerierung.
- Backbordtonne: rot, mit einem stumpfen Toppzeichen in Form eines Zylinders und gerader Nummerierung.
Die Nummerierung ist dabei eine zusätzliche Orientierungshilfe. Sie ersetzt nicht die Betrachtung der Fahrtrichtung. Wer ein Fahrwasser beurteilen will, muss zuerst klären, aus welcher Richtung es befahren wird. Erst danach lässt sich sicher einordnen, welche Seite Steuerbord und welche Seite Backbord ist.
Das Lateralsystem B verwendet eine andere Zuordnung. Dort sind die Steuerbordtonnen rot und die Backbordtonnen grün. Das System B gilt in Nord- und Südamerika. Für die Einordnung eines Seezeichens ist deshalb wichtig, in welchem Betonnungssystem man unterwegs ist.
Welche Bedeutung haben rot-weiß gestreifte Tonnen?
Im Lateralsystem gibt es zusätzlich Mitte-Fahrwasser-Tonnen. Sie sind senkrecht rot-weiß gestreift und markieren die Mitte eines Fahrwassers. In Seerevieren können sie als Ansteuerungstonnen den seeseitigen Anfang eines Fahrwassers kennzeichnen.
Auch bei einer Fahrwasserkreuzung oder beim Einmünden eines Fahrwassers in ein anderes kommen besondere Farbkennzeichnungen vor. Grün-rot oder rot-grün gestreifte Tonnen zeigen, wie die Seiten des durchgehenden und des abzweigenden Fahrwassers zueinander liegen. Eine grüne Tonne mit rotem Streifen kennzeichnet die Steuerbordseite des durchgehenden Fahrwassers und zugleich die Backbordseite des abzweigenden oder einmündenden Fahrwassers. Bei einer roten Tonne mit grünem Streifen ist die Zuordnung entsprechend umgekehrt.
Wofür werden Kardinaltonnen benötigt?
Kardinaltonnen markieren Gefahrenstellen. Dazu zählen beispielsweise Untiefen oder Wracks. Anders als bei einer Fahrwassertonne geht es nicht in erster Linie darum, die linke oder rechte Seite eines Fahrwassers anzuzeigen. Das Kardinalsystem teilt die Umgebung einer Gefahrenstelle in vier Quadranten ein, die den Himmelsrichtungen entsprechen.
Die Aussage einer Kardinaltonne lautet: Fahre auf der Seite an der Gefahrenstelle vorbei, die durch das Kardinalzeichen angegeben wird. Eine Nord-Kardinaltonne weist darauf hin, dass die Gefahrenstelle nördlich umfahren werden muss. Bei einer Ost-Kardinaltonne erfolgt die Umfahrung östlich, bei einer Süd-Kardinaltonne südlich und bei einer West-Kardinaltonne westlich.
Der Name „Kardinal“ leitet sich vom lateinischen Begriff „cardinalis“ ab, der „wichtig“ bedeutet. Für die praktische Navigation ist vor allem wichtig, dass die Tonne nicht die Gefahrenstelle selbst als passierbare Seite bezeichnet, sondern die sichere Umfahrungsrichtung angibt.
Die vier Kardinalrichtungen an Farbe und Toppzeichen erkennen
Kardinaltonnen haben gelbe und schwarze Farbabschnitte. Ihr wichtigstes Merkmal sind zwei schwarze Kegel am oberen Ende. Die Stellung dieser Kegel zeigt die Richtung an:
- Nord: Die Tonne ist schwarz über gelb gestaltet. Beide Kegel zeigen mit der Spitze nach oben. Die Gefahrenstelle wird nördlich umfahren.
- Ost: Die Farbfolge ist schwarz, gelb, schwarz. Der obere Kegel zeigt nach oben, der untere nach unten. Die beiden Kegel wirken dadurch wie eine Raute. Die Gefahrenstelle wird östlich umfahren.
- Süd: Die Farbfolge ist gelb über schwarz. Beide Kegel zeigen mit der Spitze nach unten. Die Gefahrenstelle wird südlich umfahren.
- West: Die Tonne ist gelb, schwarz und gelb. Der obere Kegel zeigt mit der Spitze nach unten, der untere mit der Spitze nach oben. Die Gefahrenstelle wird westlich umfahren.
Diese Merkmale sind besonders hilfreich, wenn die Farbe aus größerer Entfernung nicht eindeutig zu erkennen ist. Ein Blick auf die beiden Kegel kann die Zuordnung bestätigen. Bei Nacht oder eingeschränkter Sicht kommt zusätzlich die Lichtkennung hinzu, sofern das Seezeichen befeuert ist.
Die Lichtkennungen der Kardinaltonnen
Die Befeuerung folgt einem klaren Muster:
- Nord: ununterbrochenes Blitzen.
- Ost: Gruppen aus drei Blitzen mit einer Pause dazwischen.
- Süd: Gruppen aus sechs Blitzen und anschließend ein Blinken.
- West: Gruppen aus neun Blitzen mit einer Pause.
Die Zahlenfolge kann damit direkt der Himmelsrichtung zugeordnet werden. Bei einer befeuerten Tonne sollte die Lichtkennung jedoch zusammen mit Farbe und Toppzeichen betrachtet werden, nicht isoliert.
Wie viele Kardinaltonnen stehen an einer Gefahrenstelle?
Nicht jede Gefahrenstelle wird mit vier Kardinaltonnen markiert. Eine küstennah vorgelagerte Untiefe kann beispielsweise durch eine einzelne Gefahrentonne gekennzeichnet sein. Bei einer weit ausgedehnten Gefahrenstelle können zwei oder mehr Kardinaltonnen eingesetzt werden.
Eine größere Untiefe in einem Gebiet, das aus verschiedenen Richtungen befahren wird, kann durch die Kennzeichnung mehrerer Quadranten dargestellt werden. Befindet sich eine Gefahrenstelle mitten in einem Fahrgebiet, können alle vier Richtungen relevant sein. Die Anzahl der Tonnen liefert deshalb allein noch keine vollständige Aussage. Entscheidend bleibt die jeweilige Richtungsangabe des Kardinalzeichens und die Lage der Gefahrenstelle im Verhältnis zur eigenen Route.
Was ist der Unterschied zur Einzelgefahrenstelle?
Einzelgefahrenzeichen kennzeichnen kleinere Gefahrenstellen, die an allen Seiten umfahren werden können. Sie unterscheiden sich von Kardinaltonnen durch ihre Gestaltung. Die Tonne ist schwarz-rot-schwarz und trägt zwei schwarze Bälle übereinander als Toppzeichen. Bei einer Befeuerung zeigt sie eine Gruppe aus zwei weißen Blitzen.
Das Einzelgefahrenzeichen gibt keine der vier Kardinalrichtungen vor. Es weist auf die einzelne Gefahrenstelle hin, die umfahren werden muss. Kardinaltonnen geben dagegen eine bestimmte Seite beziehungsweise Himmelsrichtung für die Umfahrung an.
Praktisches Vorgehen beim Navigieren
Beim Annähern an eine Tonne hilft eine feste Reihenfolge:
- Prüfen, ob das Zeichen zum Lateralsystem oder zum Kardinalsystem gehört.
- Beim Lateralsystem die Fahrtrichtung feststellen: auf See „von See kommend“, auf dem Fluss entsprechend der betrachteten Richtung.
- Farbe, Form, Toppzeichen und Nummerierung gemeinsam auswerten.
- Bei einem Kardinalzeichen die Kegelstellung und die angegebene Himmelsrichtung bestimmen.
- Bei Dunkelheit zusätzlich die Lichtkennung mit den bekannten Blitzgruppen vergleichen.
- Bei einer Einzelgefahrenstelle berücksichtigen, dass sie als einzelne Gefahr und nicht als Richtungsangabe zu verstehen ist.
Fahrwassertonnen beantworten damit die Frage: „Wo verläuft das Fahrwasser und an welcher Seite passiere ich die Begrenzung?“ Kardinaltonnen beantworten eine andere Frage: „Auf welcher Seite muss ich eine Gefahrenstelle umfahren?“ Diese Unterscheidung ist der wichtigste erste Schritt.
Warum Seezeichen für die Sicherheit wichtig sind
Seezeichen unterstützen die Navigation, indem sie Fahrwasserränder, Fahrwasserverläufe und Gefahrenstellen sichtbar kennzeichnen. Sie können fest installiert oder schwimmend sein, beleuchtet oder unbeleuchtet. Zusätzlich gibt es Seezeichen mit akustischen Signalen.
Wer auf Binnengewässern im Raum Rhein-Neckar oder auf Seerevieren unterwegs ist, sollte deshalb nicht nur einzelne Farben auswendig lernen. Sicheres Orientieren bedeutet, das verwendete System, die Fahrtrichtung und die Bedeutung des jeweiligen Zeichens zusammenzuführen. So wird aus einer roten, grünen, gelb-schwarzen oder rot-weißen Tonne eine konkrete Navigationsinformation.
Die fachliche Grundlage dieses Beitrags ist der Ratgeber „Seezeichen und Betonnung“ des ADAC. Weitere Themen rund um Navigation und das sichere Unterwegssein auf dem Wasser finden Sie auf Segeln macht glücklich.
Quelle / weiterführende Information: skipper.adac.de
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