Flaggenführung auf Sportbooten: Nationalflagge, Gastlandflagge und Signale
Flaggen sind ein Teil der guten Seemannschaft. Sie können die Zugehörigkeit eines Bootes anzeigen, den Aufenthalt in einem anderen Land kenntlich machen oder eine festgelegte Nachricht übermitteln. Die folgenden Hinweise bieten eine allgemeine Orientierung für die Sportschifffahrt. Je nach Revier, Staat und Bootstyp können zusätzliche Vorgaben gelten.
Vor einer Auslandsfahrt empfiehlt es sich daher, die aktuellen Regeln des jeweiligen Landes und Hafens zu prüfen.
Welche Flaggen gibt es an Bord?
- Nationalflagge: Sie steht für die nationale Zugehörigkeit des Bootes.
- Gastlandflagge: Sie wird ergänzend zur Nationalflagge gezeigt, wenn sich das Boot in einem fremden Hoheitsgebiet befindet.
- Signalflaggen: Sie gehören zum Internationalen Flaggenalphabet und können Buchstaben oder festgelegte Meldungen darstellen.
- Clubstander und Verbandsflaggen: Sie weisen auf eine Vereins- oder Verbandszugehörigkeit hin.
Die deutsche Nationale
Auf einem Sportboot wird die deutsche Nationalflagge normalerweise möglichst weit achtern und mittschiffs an einem Flaggenstock geführt. Ist dieser Platz etwa wegen einer Badeleiter nicht nutzbar, kann der Stock nach steuerbord versetzt werden. Die Flagge darf dabei die Erkennbarkeit des Hecklichts nicht beeinträchtigen.
Das Achterstag ist nicht der übliche Platz für die Nationale. Am Flaggenstock sollte außerdem keine zweite Flagge hängen. Die Bundesdienstflagge mit Bundesadler ist Behörden vorbehalten und ersetzt auf einem privaten Sportboot nicht die deutsche Bundesflagge. Auch eine Europa-Flagge ist kein Ersatz für die Nationale.
Die Gastlandflagge
Beim Aufenthalt in einem ausländischen Hoheitsgebiet oder beim Anlaufen eines ausländischen Hafens wird die Flagge des Gastlandes zusätzlich zur Nationalflagge gesetzt. Ihr üblicher Platz befindet sich steuerbords unter der Saling. An dieser Stelle sollte grundsätzlich nur die Gastlandflagge geführt werden.
Bei einem Boot ohne Mast kann die Gastlandflagge je nach Bauart steuerbordseitig am Geräteträger angebracht werden. Maßgeblich bleiben die örtlichen Vorschriften. Flaggen zuvor besuchter Länder werden normalerweise nicht dauerhaft weitergeführt.
Clubstander und Verbandsflaggen
Ein Clubstander ist meist eine dreieckige Vereinsflagge. Sein bevorzugter Platz liegt im Großtopp; dort kann er bei Tag und Nacht wehen. Ist diese Position nicht vorhanden, kommen je nach Boot und Revier auch eine Gösch oder die oberste Stelle unter der Backbordsaling infrage.
In dieser Ersatzposition wird der Clubstander während der Fahrt niedergeholt, damit er nicht mit einem Signal verwechselt wird. Für Verbandsflaggen können abhängig von Verband, Land und Revier eigene Regeln gelten. Eine Gösch ist eine viereckige Flagge und kann in der Sportschifffahrt beispielsweise einen Heimathafen oder ein Bundesland repräsentieren.
Signalflaggen bewusst verwenden
Die Flaggen des Internationalen Flaggenalphabets stehen für einzelne Buchstaben oder festgelegte Aussagen. Ihre Verwendung richtet sich nach den Regeln des Internationalen Signalbuches. Eine Signalflagge sollte deshalb nicht allein wegen ihrer Farbe oder ihres Aussehens als Dekoration gesetzt werden.
Wer die Bedeutung eines Signals nicht sicher kennt, lässt die Flagge besser unten. Eine missverständliche Meldung kann die Kommunikation an Bord oder mit anderen Fahrzeugen beeinträchtigen.
Typische Fehler
- Die Nationale wird am Achterstag statt am Flaggenstock geführt.
- Die Gastlandflagge hängt auf der falschen Seite oder unter der Nationalflagge.
- Eine Flagge verdeckt das Hecklicht.
- Die Flaggenleine ist lose oder die Flagge hängt nicht sauber.
- Beschädigte oder verschmutzte Flaggen bleiben am Schiff.
- Mehrere Clubstander werden gleichzeitig gesetzt.
- Signalflaggen werden ohne Kenntnis ihrer Bedeutung verwendet.
- Die Flagge ist für das Boot deutlich zu groß.
Flaggenzeit
Der ADAC Skipper Ratgeber nennt als Orientierung eine Flaggenzeit vom 1. Mai bis 30. September ab 8 Uhr. In den übrigen Monaten beginnt sie demnach um 9 Uhr. Sie endet mit dem Sonnenuntergang, spätestens jedoch um 21 Uhr. Verlässt die gesamte Besatzung das Schiff nach Ende dieser Zeit, werden die Flaggen grundsätzlich niedergeholt. Der Clubstander ist davon ausgenommen.
Diese Zeitangaben gelten nicht automatisch für jedes Gewässer. Für eine konkrete Fahrt sollten die aktuellen Bestimmungen des jeweiligen Reviers und des besuchten Landes geprüft werden.
Die wichtigsten Merksätze
Die Nationale wird möglichst achtern und mittschiffs geführt. Die Gastlandflagge befindet sich im Ausland üblicherweise steuerbords unter der Saling. Der Clubstander hat seinen regulären Platz im Großtopp und kann dort Tag und Nacht wehen. Signalflaggen setzt man nur, wenn ihre Bedeutung und die geltenden Regeln sicher bekannt sind.
Quellenhinweis: Die fachlichen Grundlagen wurden anhand des Ratgebers Flaggen und Flaggenführung in der Sportschifffahrt des ADAC Skipper Ratgebers geprüft. Die Inhalte dieses Beitrags sind eigenständig zusammengefasst. Für konkrete Fahrten gelten zusätzlich die aktuellen Vorschriften des jeweiligen Reviers.
FAQ zur Flaggenführung
Wo wird die deutsche Nationalflagge gesetzt?
Die Nationale wird möglichst achtern mittschiffs am Flaggenstock geführt. Wenn dort beispielsweise wegen einer Badeleiter kein Platz ist, kann der Flaggenstock nach steuerbord ausweichen. Die Flagge darf das Hecklicht nicht verdecken. Am Achterstag ist sie nicht vorgesehen.
Wo hängt die Gastlandflagge?
In fremden Hoheitsgebieten und beim Einlaufen in einen ausländischen Gasthafen wird die Gastlandflagge zusätzlich zur Nationalflagge gesetzt. Ihr üblicher Platz ist unter der steuerbordseitigen Saling. Auf Booten ohne Mast kann sie steuerbordseitig am Geräteträger befestigt werden. Unter der Saling sollte grundsätzlich nur die Gastlandflagge hängen.
Darf die Europa-Flagge die deutsche Nationale ersetzen?
Nein. Die deutsche Nationale ist die schwarz-rot-goldene Bundesflagge. Sie wird nicht durch eine andere Flagge ersetzt. Die Bundesdienstflagge mit Bundesadler ist Behördenfahrzeugen vorbehalten.
Was ist ein Clubstander?
Ein Clubstander ist eine dreieckige Vereinsflagge. Er wird im Großtopp gesetzt und darf bei Tag und Nacht wehen. Wenn das nicht möglich ist, kann er als Gösch oder an oberster Stelle unter der Backbordsaling geführt werden. Es wird immer nur ein Clubstander gesetzt.
Darf ich Signalflaggen einfach als Schmuck hissen?
Nein. Signalflaggen des Internationalen Flaggenalphabets können eine festgelegte Bedeutung haben und sollten nur nach den Vorgaben des Internationalen Signalbuches verwendet werden. Wer ihre Aussage nicht sicher kennt, sollte sie nicht setzen.
Quelle / weiterführende Information: ADAC Skipper Ratgeber
Schreibe einen Kommentar